Karasek, für manche auch Karasack

Erstveröffentlichung Mai 2006

Nachdem Heide Simonis nicht wieder zur Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins gewählt wurde – einer ihrer SPD-Genossen hatte gewissenlos sein Gewissen entdeckt und das Land an Peter Harry Carstensens CDU ausgeliefert – verzog sie sich nicht auf ihr Altenteil, sondern sann darüber nach, wie sie ihre Prominenz für UNICEF gewinn­bringend einsetzen könnte. So kam es, dass sie gegen Gage an einem RTL-Promi-Tanzwettbewerb teilnahm. Einen ästhetischen Genuss bereitete sie den Zuschauern freilich nicht.

Hellmuth Karasek, ein Mann, der sich nicht zu schade ist, nach seiner aktiven Zeit als Journalist und Literaturkritiker, durch die eine oder andere Ratesendung zu tingeln, schreibt:

    „… Nun ist sie, trotz gesicherter Altersversorgung, dennoch dazu übergegangen, als Gigola zu tanzen. Für RTL, wo sie als Hupfdohle in lateinamerikanischen Tänzen abgeklatscht werden kann. Seit ihrer Wahlniederlage scheint sie, Alter schützt vor Torheit nicht, eine Freude an solchen masochistischen Demütigungen zu empfinden … Ich werde mir, solange Frau Simonis in den Abgrund der Lächerlichkeit tanzt, mein RTL-Programm sperren lassen.“

Das Hamburger Abendblatt hielt seine Hand schützend über ihn und druckte meinen Leserbrief nicht ab. Darin hieß es:

    Ich frage mich was peinlicher ist: Eine abgewählte Ministerpräsidentin, die im TV tanzt oder ein Literaturvizepabst, der öffentlich bekennt, dass er nicht aus eigenem Willen das Einschalten eines bestimmten Fernsehkanals vermeiden kann, sondern diesen sperren lassen muss.

Mai 2006

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